INSIDE OUT PROJECT WUPPERTAL


DIFFERENT FACES - DIFFERENT VIEWS

Wir haben uns mit viel Begeisterung auf die Spuren von Street Art gemacht. Street Art flutet nun schon seit Jahren die Metropolen weltweit. Insgesamt lässt sich eine wahre Explosion von Kreativität auf den Straßen erleben. Experimentiert wird dabei mit einer Fülle von Materialien, ständig werden neue Techniken entwickelt und bislang unentdeckte Orte für die Arbeiten erobert. And we wanted to be a part of this great Street Art Culture.

 

So haben wir im Frühjahr 2013 angefangen ein Street Art Konzept für Wuppertal zu schreiben, mit dem Ziel alle 10 Stadtteile Wuppertals mit verschiedenen Street Art Aktionen zu bespielen. Den hohen Innovationsgrad der Street Art Szene, die schier unerschöpfliche Kreativität und die Dynamik in den Entstehungsprozessen wollten wir im Titel unseres Projektes wiederspiegeln. Und so nannten wir es STREET-A-Tag. Wir haben dabei bewusst mit den Wörtern STREET (= Straße), TAG (= Signaturkürzel als Pseudonym eines Künstlers) und ATTACK (= Angriff) gespielt. Die Straße ist da, wo es passiert. Und da wir mit verschiedenen "Street Artist" die Stadtteilaktionen durchführen wollen, war es klar, dass jedes einzelne Projekt die Handschrift des jeweiligen Künstlers tragen wird. Und wir wollen angreifen, fluten, überraschen...

 

Auf unserer Prioritätenliste stand ganz oben das „INSIDE OUT PROJECT“ des französischen Paste-Up Künstlers JR aus Paris, mittlerweile einer der bekanntesten Paste-Up Künstler weltweit. In seinen Anfängen 2004 portraitierte JR nach Unruhen in Pariser Vororten Jugendliche, die Grimassen schneiden (Portrait of a Generation), sowohl in gutbürgerlichen Vierteln wie auch in den betroffenen Vororten. Die Passanten sollten durch die Bilder die Darstellung der Jugendlichen durch die Medien hinterfragen. Das zu Beginn noch illegale Projekt wurde schnell bekannt und durch die Stadtverwaltung legalisiert. Heute turnt er durch die ganze Welt und realisiert seine Projekte - immer mit einer Botschaft.

Initiatiert durch seine Arbeiten entsand das INSIDE OUT PROJECT - a peoples art project. A global art project transforming messages of personal identity into work of art, wie es auf der Website heißt. Dafür erhielt JR im März 2011 den TED Preis in Kaliforien, dotiert mit 100.000 US-Dollar. JR beendet seine Ansprache bei der Preisverleihung mit den Worten: "I wish for you to stand up for what you care about by participating in a global art project, and together we'll turn the world... INSIDE OUT"...

 

Die Idee dahinter ist, dass jede/r Einzelne oder eine Gruppe eine Portrait-Fotografie mit seiner/ihrer Umgebung teilen kann und damit das aussprechen kann wofür er/sie steht/stehen. Jedes Portrait erzählt so die eigene Geschichte der abgebildeten Person. Die kleineren Aktionen finden in Eigenregie der Teilnehmer statt - Foto machen, auf Inside Out Website hochladen, Poster erhalten, Poster pasten, Foto davon machen, JR schicken, damit es auf der Website archiert werden kann. Für die größeren Projekte gibt es eine Foto-Truck, der zu einzelnen Aktionen vorfährt. Die Fotos werden vor Ort geschossen, ausgedruckt und direkt angebracht. Mittlerweile hat das „Inside Out Project“ weltweit schon 223.927 Portraits in 112 verschiedenen Ländern produziert.

Nachdem wir alle Details mit dem Headquarter des INSIDE OUT in New York, alle Absprachen bezüglich der Terminierung mit dem Social Animals aus Paris, die für den Photobooth Europa zuständig sind und sämtliche Abläufe vor Ort mit dem Projektleiter des Teams geklärt hatten, war es soweit… Das INSIDE OUT würde nach Wuppertal kommen - vom 03 bis zum 6. Oktober - und wir stolz wie Bolle.

Das Team inklusiv Photobooth reiste am Freitag, den 03. Oktober an. Wir hatten ein grandioses Gebäude – das historische Weinkontor an der Friedrich-Ebert-Str, - einen Teleskop-Hebebühne, ohne Ende Spaß, sogar Sonnenschein und waren bereit to turn Wuppertal inside out.

 

Am 4. Und 5. Oktober wurden die Fotos gemacht. So hieß es dann: Ab in die Kabine, hineinsetzen, in die Kamera gucken, Vorhang zu, bitte „lächeln“ - drei...zwei...eins and the pic came from inside the photobooth outside to the people.

674 Menschen aus Wuppertal und Umgebung ließen sich unter dem Titel "DIFFERENT FACES - DIFFERENT VIEWS" auf dem Hof des historischen Weinkontor fotografieren. Viele ältere Semester, eine Menge junger Familien, drei Mongolen und eins war sofort zu hören: "Sonst passiert sowas immer nur woanders und nie in Wuppertal". Jetzt schon!!! Überhaupt war die ganze Atmosphäre sehr chillig. Mit Spannung wurden die fertigen Portraits erwartet, die langsam aus dem seitlichen Schlitz des Photobooth zum Vorschein kamen. There was only one Shot... Und der Moment eines Gesichtsausdruck war verewigt - gestochen scharf bis zum kleinsten Barthaar.

Während hinten auf dem Hof fleißig fotografiert wurde, wurden an der Frontseite des Weinkontors schon die ersten Paste-Ups gehangen. Mit Kleister und Bürsten bewaffnet, standen die Social Animals und Helfer/innen (u.a wir) auf Gerüst, Leitern und Kranwagen um die Poster zu pasten.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Weinkontors sammelten sich Teilnehmer und Füßgänger an, die mit Spannung darauf warteten, dass ihr Porttrait endlich gehangen wurde oder auch nur, um das bunte Treiben zu beobachten. Bis spät in die Nacht blieben Autofahrer stehen, Teilnehmer kamen mehrmals wieder, um nach ihrem Portrait zu suchen oder Freunden und Familie das Weinkontor im neuen "Gesichterkleid" zu zeigen.

 

Die Anbringung der Portraits an der Fassade, die sich als echt tückisch herausstelle, dauerte noch bis zum 06. Oktober bis spät in die Nacht. Doch mit literweise Kleister, Kranwagen, Gerüsten, Schweiß, Geduld und vielen helfenden Händen war es dann endlich soweit. Das letzte Poster wurde angebracht.

NEW Monograph: CAN ART CHANGE THE WORLD?

IOP WUPPERTAL IST AUCH DABEI - Seite 220

Die erste große, detaillierte retrospektive Monografie über JR, den Pariser Fotografen, Künstler und Aktivisten, ist seit Anfang Oktober 2015 erhältlich. Publiziert wurde diese Monografie vom Phaidon Verlag in New York.


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Well done Wuppertal. Wir hatten Spaß.